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„Ich habe mich geschämt“

20.11.2010

Ein Buch, um den Soldat als Mensch zu begreifen

Buch Soldat in Afghanistan

„Ich habe mich geschämt…“ So beschreibt Claudia Rudolph ihre Gefühle nach der Lektüre des Buches über den Auslandseinsatz in Afghanistan von Uwe Deißler. „Geschämt dafür, dass ich bisher so gedankenlos war.“ Deshalb engagiert sich die Rechtsanwältin heute dafür, unserer Bevölkerung Soldaten als Menschen nahe zu bringen. Am Sonntag moderierte sie die Podiumsdiskussion zum Thema „Die Bedeutung des Volkstrauertages im Wandel der Zeit“ mit den Gästen Uwe Deißler, Andreas Timmermann-Levanas, Fabian Geyer und Pfarrer Frank Schneider, die von ihren Auslandseinsätzen und dem Leben als Soldat erzählten.

Wir danken Herrn Karl-Heinz Rudolph und seiner Frau Claudia, sowie dem Ortspfarrer der Gemeinde Herr Frank Schneider für den bewegenden Gedenkgottesdienst für die Opfer der beiden Weltkriege und unserer gefallenen Bundeswehrsoldaten. Mit der anschließenden Diskussion im Kolpinghaus Weiler zeigten Sie eindrücklich, dass es Menschen gibt, denen das Schicksal und die Kriegsfolgen der Auslandseinsätze der Soldaten in unseren eigenen Land wichtig erscheint.

 

Pressebericht im „Westallgäuer“ vom 15.11.2010:

Diskussion zum Volkstrauertag im Kolpinghaus - Soldaten fordern Anerkennung der Gesellschaft

Weiler: „Am schlimmsten war das Mädchen ohne Augen“, berichtet der ehemalige Bundeswehrsoldat Fabian Geyer seinen Freunden in der Heimat. Regemäßig schrieb er ihnen während seines Einsatzes in Afghanistan. Die Mail am 7. Mai 2010 erzählt von einem Besuch in Baharak: „Der Anblicke eines Mädchens, das maximal 16 Jahre alt war – ohne Augen, nur diese leeren Höhlen. Das läßt einen nicht so leicht los.“ Geyer war einer der vier Teilnehmer einer Diskussionsrunde in Weiler.
Es ging um die Opfer von Krieg und Gewalt am gestrigen Volkstrauertag. Der Markt Weiler-Simmerberg nahm den Gedenktag zum Anlass einer Podiumsdiskussion mit Vertretern aus Kirche und Militär. Im Anschluss an den traditionellen Kirchgang und Gedenkakt erörterte Moderatorin Claudia Rudolph im Kolpinghaus mit ihren Gästen „Die Bedeutung des Volkstrauertages im Wandel der Zeit“.
Dass am Volkstrauertag der Gefallenen gedacht wird, stellt die Gesprächsleiterin außer Frage. „Aber Opfer sind auch die, die zwar zurückkehren, aber mit seelischen Wunden, die wir uns gar nicht vorstellen können“, stellt sie eine andere Bedeutung des Gedenktages heraus. Dessen Bezug zur Gegenwart äußert sch nicht zuletzt in den Einsätzen der Bundeswehr in Krisengebieten.
Andreas Timmermann-Levanas berichtet von Soldaten, die nach ihrer Rückkehr in ihren alten Lebensalltag sowohl beruflich als auch privat gescheitert sind. Nicht selten das Ergebnis Arbeitslosigkeit und Scheidung. Der Oberstleutnant a.D. berichtet sogar von Selbstmorden. Um seinen Kameraden nach oft traumatischen Erlebnissen im Auslandseinsatz aufzufangen und um politische Aufmerksamkeit zu erreichen, hat er die „Deutsche Kriegsopferfürsorge“ sowie den „Bund Deutscher Veteranen“ gegründet.
Dass die Rückkehr in die Heimat für einen Soldaten schwer sein kann hat auch Uwe Deißler erlebt. „Auf eimal kommt man wieder und der Platz ist gefüllt.“ Es ist nicht allein die private Umgebung, die den Rückkehrern zu schaffen macht. „Teilweise hat man als Soldat das Gefühl, man ist ein Geächteter“, spielt Deißler auf den schlechten Stand der Berufsgruppe in der Gesellschaft an. „Wir werden in der Gesellschaft nicht verstanden“, stellt auch Timmermann-Levanas fest.
Am Einsatzort werden die Soldaten von einem Seelsorger begleitet. Frank Schneider, neuer Ortspfarrer, war sechs Monate lang als ein solcher im Kosovo im Einsatz. „Wir betreuuen die Soldaten auch in der Vorbereitung und hinterher“, erzählt der Geistliche. „Aber unsere Möglichkeiten sind begrenzt.“
Die Moderatorin ist gleichzeitig auch Initiatorin der Veranstaltung. Sie wünscht sich, dass sich in der Bevölkerung ein Wir-Gefühl entwickelt, denn „es sind nicht die Soldaten sondern unsere Soldaten.“ Bürgermeister Karl-Heinz Rudolph freut sich über den vollen Saal des Kolpinghauses: „Dass so viele heute gekommen sind, zeigt, dass Sie am Schicksal unserer Soldaten Anteil nehmen.“ Die Podiumsdiskussion sollte ein Beitrag dazu sein, diesen mehr Anerkennung entgegen zu bringen. „Ich denke, die Soldaten haben das verdient“, unterstreicht der Bürgermeister.

Auf dem Podium dabei:

  • Andreas Timmermann-Levanas (45), Oberstleutnant a.D., sowie Staats - und Sozialwissenschaftler. Er ist ehemaliger Berufsoffizier und war sowohl in Bosnien als auch in Afghanistan im Einsatz. Insgesamt war er 24 Jahre lang Soldat und lebt heute in Sonthofen
  • Stabsfeldwebel Uwe Deißler (45) war unter anderem als Personenschützer in Afghanistan tätig. Bis heute hatte der Isnyer sechs Auslandseinsätze.
  • Ortspfarrer Frank Schneider (41) war sechs Monate lang Militärseelsorger im Kosovo. Heute versucht er Jugendliche für das Thema zu sensibilisieren.
  • Der ehemalige Bundeswehrsoldat Fabian Geyer (23) blickt auf mehrere Auslandseinsätze zurück: Im Kosovo. Der Kemptener arbeitet mittlerweile in einer Einrichtung für geistig Behinderte.

Gedenktag
 Solidarität mit Soldaten

Mit freundlicher Genehmigung der Allgäuer Zeitung

Veteranen verbünden sich - Nachtrag

25.08.2010

veteranenverband
Veteranenverbände

Wie bereits im vorigen Beitrag erwähnt wurde letze Woche der Bund Deutscher Veteranen unter der Leitung von Andreas Timmermann-Levanas gegründet. Fast gleichzeitig entstand auch der Deutsche Veteranenverband von Daniela Matijevic in Osnabrück.

Dazu schreibt am 25.8.2010, ZEIT Online:

Die Bundeswehr-Veteranen organisieren sich

"Seit dem Zweiten Weltkrieg gab es keine neuen Veteranen mehr in Deutschland. Nun erleben immer mehr Soldaten den Krieg – und verbünden sich.

Lange Jahre hat es gedauert, bis deutsche Politiker vom Krieg in Afghanistan sprachen. Auch wenn dieser Terminus nur "umgangssprachlich" richtig sei, wie der Verteidigungsminister betont – und der Außenminister juristisch korrekt vom "nicht international bewaffneten Konflikt" spricht. Die Soldaten vor Ort, die beschossen werden und zurückschießen, die mit dem Tod bedroht sind und selber töten, für diese Soldaten bedeutete die Mission am Hindukusch schon seit Jahren ein Einsatz im Kriegsgebiet. Erstmals seit 1945 kehren damit auch wieder Hunderte Veteranen nach Deutschland zurück – viele gesund, manche aber auch verletzt an Körper und Seele.

Für die Traumatisierten und Verwundeten entstanden in den vergangenen Jahren Hilfsorganisationen wie die Deutsche Kriegsopferfürsorge (DKOF) und der Verein Traumalos. Für die gesunden Veteranen der Bundeswehr gab es bisher keine bundesweite eigene Vertretung von Bedeutung. Das soll sich nun ändern.

In Berlin gründeten Veteranen der deutschen Einsätze in Somalia, Bosnien und Herzegowina, im Kosovo und in Afghanistan sowie Sympathisanten einen Verein, der Bund Deutscher Veteranen heißen wird. Vor wenigen Tagen wurde zudem der Deutsche Veteranenverband in Osnabrück gegründet, der ähnliche Ziele verfolgen will. Zwar bestehen noch Verbände, die Veteranenheime für Kriegsteilnehmer des Zweiten Weltkrieges betreiben oder Sport für Versehrte anbieten, für Soldaten der Bundeswehr sind diese aber nicht zuständig. …"

weiterlesen auf ZEIT-Online

 

 

Weitere Information:

Andreas Timmermann-Levanas war als Berufsoffizier mit 24 Dienstjahren Pressesprecher bei der ISAF-Mission in Afghanistan und davor in Bosnien im Einsatz und überlebte mehrere Anschläge. 2009 musste er die Bundeswehr aus gesundheitlichen Gründen verlassen. Später hatte er die Deutsche Kriegsopferfürsorge gegründet, um Wehrdienstbeschädigten Soldaten zu helfen bei der Bewältigung des darauf folgenden Bürokratiedschungels und der Sicherung ihrer weiteren Existenz. Ende August 2010 erscheint das Buch Die reden – Wir sterben, das er zusammen mit der Biografin Andrea Richter im Campus Verlag veröffentlicht.

Auch Daniela Matijevic war bei der Bundeswehr als Rettungssanitäterin und hat ein Buch geschrieben, lange nachdem Sie die Bundeswehr verlassen hat. Das Buch mit  Titel "Mit der Hölle hätte ich leben können: Als deutsche Soldatin im Auslandseinsatz" erscheint im Heyne-Verlag.

Bund Deutscher Veteranen stellt sich in Berlin vor

23.08.2010

Verein steht für Dialog, Fürsorge, Kameradschaft und Hilfe

Bund Deutscher Veteranen e.V.
Bund Deutscher Veteranen

Beim Tag der offenen Tür im Bundesministerium der Verteidigung in Berlin stellte sich der neue Verein Bund Deutscher Veteranen das erste Mal der Öffentlichkeit vor.

Andreas Timmermann-Levanas, Oberstleutnant a.D. Leiter der Deutschen Kriegsopferfürsorge und weitere Veteranen gründeten diesen Verein um sich ehrlich und direkt für Kameradschaft, Fürsorge und Hilfe für Veteranen und Soldaten der Bundeswehr einzusetzen.

Die neue Webseite des Vereins finden Sie unter www.bund-deutscher-veteranen.de

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