Zurück

News nach ausgewähltem Stichwort…

Reinhold Robbe kritisiert deutlich das "freundliche Desinteresse" und fordert mehr moralischen Rückhalt für die Truppe

25.06.2009 von Simone Uetz

Afghanistan: "Für die Soldaten ist es Krieg"

Im Spiegel-Interview ruft der Wehrbeauftragte dazu auf, das freundliche Desinteresse gegenüber den Soldaten und der Bundeswehr in ehrliche, menschliche Zuwendung umzuwandeln. Nicht nur die Politik, sondern alle seien in der Pflicht. Das fand ich richtig gut, doch so wirklich ging m.E. der Spiegel auf diese Aussagen aber gar nicht ein, sondern stellte dann weiter nur die vorhersehbaren, klassischen Fragen - die, die Presse am meisten interessiert.

 

Aus dem Interview von Spiegel Online Politik vom 24.6.09:

[…]

SPIEGEL ONLINE: Aber hier wird mit einem rechtlichen Kriegsbegriff argumentiert. Den Soldaten vor Ort ist die akademische Diskussion aber ziemlich egal.


Robbe: Darum geht es, um die Stimme der Truppe. Ich war gerade in Afghanistan, und die Soldaten haben mir, emotional zum Teil sehr nahe gehend, klar gemacht: Herr Robbe, hier werden gerade keine Brunnen gebaut und auch keine Schulen eröffnet - im Moment ist hier Krieg. Damit hat ein Hauptfeldwebel auf den Punkt gebracht, was auch seine Kameraden empfinden. Wenn sie sehen, dass links und rechts Kameraden verwundet werden, wenn, wie am Dienstag, Kameraden fallen, dann ist doch klar, dass die Soldaten das als kriegsähnliche Situationen wahrnehmen. Dafür habe ich vollstes Verständnis. Von semantischen Klimmzügen halte ich überhaupt nichts.

 

SPIEGEL ONLINE: Würden Sie sich dann nicht ein paar klare Worte wünschen - vielleicht nicht nur vom Verteidigungsminister, sondern auch von der Bundeskanzlerin?


Robbe: Ich kritisiere und kommentiere nicht, was führende Verantwortungsträger in unserem Land sagen. Das sollen diese selber verantworten. Ich will auch gar keine künstlichen politischen Gegensätze erzeugen. Mit geht es darum, dass in der Gesellschaft angemessen gewürdigt wird, was unsere Soldaten Tag für Tag unter Einsatz ihres Lebens im Interesse unseres Landes leisten.

 

SPIEGEL ONLINE: Da scheint erheblicher Nachholbedarf zu bestehen. In Umfragen sagen die weitaus meisten Deutschen, die Bundeswehr sollte raus aus Afghanistan.


Robbe: Die Soldaten fordern von ihren Mitbürgern mehr moralische Unterstützung ein. Und im 60. Jubiläumsjahr der Bundesrepublik wäre es an der Zeit, einmal intensiver darüber nachzudenken, wie wir das freundliche Desinteresse gegenüber der Bundeswehr - pathetisch gesagt - in ehrliche menschliche Zuwendung umwandeln können. Da sind alle in der Pflicht, nicht nur die Politik, sondern vor allem die großen gesellschaftlichen Organisationen, Kirchen, Gewerkschaften. Man könnte beispielsweise auch auf einer Mai-Kundgebung mal der Tausenden deutschen Soldaten gedenken, die sich auf der ganzen Welt für deutsche Interessen einsetzen. Jeder muss doch erkennen, dass die Soldaten nicht aus eigenem Antrieb in Afghanistan sind. Der Bundestag hat sie dorthin entsandt. […]

 

Das ganze Interview können Sie hier lesen: Spiegel Online

 

(Quelle: Spiegel-Online)

Verdrängung oder Desinteresse?

29.05.2009 von Simone Uetz

Militärbischof Mixa: Gesellschaft und Bundeswehr - Parallele Welten?

Kompass

Militärbischof Dr. Walter Mixa fordert mit einem Grundsatzbeitrag klare Stellungnahmen und Maßnahmen von Politik und Bundeswehr und meldet sich damit in der aktuellen Juniausgabe des "Kompass" erstmals selbst zu Wort.

Ein lesenswerter Artikel, bei dem er am Ende seine Forderungen folgendermaßen formuliert:

1. Die gewählten Politiker müssen verhindern, dass es zu einer schleichenden Abkopplung von Gesellschaft und Bundeswehr kommt. Die Politik muss schlüssig begründen, weshalb Auslandseinsätze notwendig sind und wofür deutsche Soldatinnen und Soldaten ihre Gesundheit und ihr Leben einsetzen.

2. Die Bundeswehr selbst muss ein ureigenstes Interesse daran haben, dass sie tatsächlich in der Mitte der Gesellschaft bleibt und sich nicht, wenngleich ungewollt, Parallelwelten entwickeln. Dem kann selbst in einer hochgradig arbeitsteiligen Welt u. a. dadurch entgegengewirkt werden, dass auch Soldaten täglich im Kleinen, aber auch im Großen das Gespräch strukturiert mit allen relevanten gesellschaftlichen Gruppen immer wieder von sich aus suchen. Dies kostet Zeit und Kraft, aber wer gehört werden will, muss seine Stimme mit guten Argumenten erheben.

3. Auch die katholische Militärseelsorge, in ökumenischer Verbundenheit mit der evangelischen Militärseelsorge, wird bei diesen Debatten nicht abseits stehen. Wie bisher wird sie sich auf vielfältige Weise in kritischer Solidarität zu friedensethischen Fragen zu Wort melden und im stetigen Gespräch mit der Bundeswehr bleiben, um so auch künftig verlässlicher Begleiter und Ansprechpartner für alle Soldaten zu sein.

Solidarität mit Soldaten zeigen

20.10.2008 von Simone Uetz

Gelbes Band hält Einzug in die Politik

Gelbes Band
Quelle: phoenix

Hier gibts Aufkleber & Anstecker für Solidarität…

Download Buttons für Soldiarität mit Soldaten

 

 

Zögerlich wächst die Anzahl der Menschen, die in Deutschland gelbe Armbänder tragen, gelbe Schleifen ans Revers ihrer Jacken heften oder die zuhause ein gelbes Band um einen Baum in ihrem Garten wickeln. Diese Schleifen sind dabei eine Erscheinung, die bislang ausschließlich auf die USA beschränkt war. Nur langsam scheint sie jetzt auch in Deutschland eine – wenn auch zurückhaltende – Verbreitung zu finden.

 

Dass selbst Bundespolitiker mittlerweile zum Solidaritätsband greifen, so jüngst Franz Müntefering auf der 100-Jahr-Feier des SPD Ortsvereines in Sinzig sowie die stellvertretende SPD-Vorsitzende Andrea Nahles, zeigt aber, dass die Solidaritätsadresse langsam auch den Mainstream erreicht. Was genau verbirgt sich hinter diesen Symbolen, die wir aus Filmen wie "Wag the Dog" (hier satirisch überspitzt in Form von Schuhen) kennen?

 

Erste musikalische Erwähnung 1917

Gelbe Bänder aufzuhängen aus Solidarität mit den im Einsatz befindlichen Soldaten ist in den USA ein langjähriger Brauch. Die erste gelbe Schleife, die als ein Symbol in die Geschichte einging, wurde in einem Marschlied erwähnt, das in der US Army gesungen wurde. 1917 erhielt George A. Norton die Rechte an dem Lied. Der Titel: "Round her neck she wears a yellow ribbon".

Round her neck she wears a yellow ribbon,
She wears it in winter and the summer so they say,
If you ask her "Why the decoration?"
She'll say "It's for my soldier who is far, far away."

 

Musikalische Neuauflage 1973

1973 konnte dann die Band Dawn mit Sänger Tony Orlando mit dem Song "Tie a yellow ribbon round the old oak tree" einen großen Erfolg in den USA erzielen: In dem Lied geht es um einen Häftling, der nach 3 Jahren aus dem Gefängnis kommt und seine Frau vorab in einem Brief darum bat, ihn wissen zu lassen, ob er nach dieser langen Zeit zu ihr zurück kehren darf.

Wenn ja, möge sie doch bitte eine gelbe Schleife an die alte Eiche auf dem Dorfplatz binden. Sollte er dort keine Schleife sehen, würde er erst gar nicht aus dem Bus aussteigen, einfach weiter fahren und sie vergessen, denn dann habe sie wohl ein neues Glück gefunden. Der Song endet damit, wie der Mann im Bus sitzt und ungläubig auf die alte Eiche sieht: Dort war nicht nur eine, sondern hunderte gelber Schleife zu sehen, die im Wind wehten.

 

Iran-Geisel-Affäre & Golfkrieg

Ihrer heutigen Bedeutung kam die gelbe Schleife dann 1979 sehr nahe: Der US-Botschafter Bruce Laingen, gleichzeitig ranghöchster US-Offizier in Teheran, wurde zusammen mit 60 weiteren US-Amerikanern aus der US-Botschaft entführt und als Geiseln genommen. Seine Frau Penelope band daraufhin im Dezember 1979 ein gelbes Band um einen Baum auf der Wiese von ihrem Haus. Sie wollte damit zeigen, wie sehr sie sich die unversehrte Rückkehr ihres Mannes wünscht. Zunächst folgten Freunde und Familienmitglieder ihrem Beispiel, später solidarisierten sich dann weitere Teile der Bevölkerung. Im Januar 1981 kam Bruce Laingen zurück nach Hause.

In den 1990er Jahren tauchten die gelben Schleifen in Form von gelben Bänder wieder auf, erstmals verbunden mit dem Slogan "Support our Troops" (Unterstützt unsere Truppen/Soldaten) – dieses Mal als Geste der Solidarität mit den im Einsatz befindlichen Soldaten im ersten Golfkrieg.

 

Heutige Symbolik

Inzwischen ist die gelbe Schleife oder das gelbe (Arm-)Band ein anerkanntes Symbol für Solidarität und Unterstützung, wird dabei eng im Zusammenhang mit dem Warten auf einen geliebten Menschen oder der baldigen Rückkehr von im Einsatz befindlichen Soldaten verbunden. In der heutigen Zeit haben die rasanten politischen Änderungen auch das Verständnis und die Gefühle der Menschen für eine neue Bedrohung - und damit für die Notwendigkeit des Einsatzes der Bundeswehr - verändert.

Deutsche Soldaten setzen sich weltweit für die Interessen Deutschlands, aber auch für grundlegende (Menschen-)Rechte ein – oft unter Gefahr für Leib und Leben: Die gelbe Schleife symbolisiert die Solidarität mit den davon betroffenen, im Einsatz befindlichen Menschen. Ob die Deutschen irgendwann einmal ähnlich flächendeckend "Flagge zeigen", wie das in den USA geschieht, wird die Zukunft zeigen. In jedem Fall braucht es in Deutschland auch darüber einmal eine gesellschaftliche Diskussion.

 

 

(Quelle: Von Gregor J. Mayer
(PHOENIX.online),

mit Material aus dem PHOENIX
Afghanistan-Blog und BMVG)

Zurück
Randnotizen - News zu: