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Die Zeit: Interview mit Militärpsychologe Karl Heinz Biesold
12.04.2009 von Simone Uetz
Endlose Albträume - Trauma Afghanistan
Die Zahl der im Afghanistan-Einsatz traumatisierten Soldaten steigt. Viele von ihnen wollen die Symptome jedoch nicht wahrhaben, warnt der Militärpsychologe Karl Heinz Biesold.
Das Gespräch führte Sabine Etzold
DIE ZEIT: Ein abendfüllender Spielfilm, ein Dokumentarfilm auf Arte, sogar in der Kultserie Lindenstraße: Die durch den Afghanistan-Einsatz traumatisierten Soldaten werden zum TV-Renner. Ist diese Medienpräsenz eigentlich hilfreich für die Betroffenen?
KARL HEINZ BIESOLD: Sie könnte helfen, die Stigmatisierung abzubauen, mit der Menschen mit psychischen Erkrankungen immer noch zu kämpfen haben. Sogar die betroffenen Soldaten selbst wollen ihr Problem nicht gern wahrhaben.
ZEIT: Wieso kann eine Friedensmission wie der Afghanistan-Einsatz eigentlich ein psychisches Trauma auslösen?
BIESOLD: Ein Faktor ist die tägliche Stressbelastung. In einer fremden Kultur ist man unsicher in der Einschätzung seiner Umgebung. Wenn man in Afghanistan über die Straße geht, sind da die bärtigen Männer, zum Teil in Zivil und schwer bewaffnet; sind das nun Taliban oder normale Bürger? Es entsteht ein allgemeines Bedrohungsgefühl.
Der zweite Faktor sind die Soldaten, denen wirklich etwas passiert, entweder direkt, wenn sie angeschossen werden, oder indirekt, wenn sie Zeugen werden, zum Beispiel wenn Selbstmordattentäter Zivilisten in die Luft jagen.
ZEIT: Werden in Afghanistan mehr Soldaten seelisch oder eher körperlich verwundet?
BIESOLD: Die Zahl der psychischen Erkrankungen ist höher. Unter den mehr als 250 000 Soldaten, die in den Einsätzen gewesen sind, haben wir über 1200 Fälle registriert.
ZEIT: Steigt die Zahl der Traumata?
BIESOLD: Leider ja. Sie lag 2006 in Afghanistan bei 55 und 2008 bei 220. Die Situation ist deutlich gefährlicher als noch vor Jahren.
ZEIT: Woran können Angehörige und die Betroffenen selbst die Traumatisierung erkennen?
BIESOLD: Es gibt drei klassische Symptome: Erstens die immer wiederkehrenden Bilder vom Geschehen, entweder als nächtliche Albträume oder auch tagsüber, ausgelöst durch irgendeinen sensorischen Reiz, ein Geräusch, einen Geruch, eine Farbe. Das versetzt den Traumatisierten praktisch wieder in die traumatische Situation. Zweitens ist da eine ständige innere Alarmbereitschaft; sie zeigt sich in Übererregbarkeit mit Schlafstörungen, Nervosität, Reizbarkeit, Ungeduld. Und drittens vermeiden die Kranken alles, was an das Trauma erinnert. Sie igeln sich ein, ziehen sich zurück, werden depressiv.
Das ganze Interview können Sie hier nachlesen...
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