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Bundeswehr (31)
Neues Arbeitspapier Bundeswehr: Gefühle der Soldaten
25.07.2010 von Simone Uetz
Für Soldaten und zivile Mitarbeiter der Bundeswehr beim Umgang mit Verwundung, Tod und Trauer im Einsatz
Aus aktuell, Zeitung für die Bundeswehr.
Soldaten und Gefühle - eine Kombination, die viele Jahre als fast unmöglich galt. Der Soldat habe hart zu sein und seinen Auftrag zu erledigen, ohne jegliche Gefühlsregung. Das war lange die vorherrschende Meinung in der Gesellschaft und der Bundeswehr.
Doch diese Zeiten sind vorbei. Der Soldat ist ein Staatsbürger in Uniform und eben auch ein Mensch. Und Menschen haben Gefühle, die sie auch zeigen können und dürfen. Trauer, Wut, Schuld, Leid sind einige davon. Gerade heute, in Zeiten der Auslandseinsätze, ist es wichtiger denn je, sich mit ihnen auseinanderzusetzen. Denn die Realität zeigt: Jeden Soldaten und zivilen Mitarbeiter im Einsatz können Tod und Verwundung treffen.
Sprechen – auch über Tabuthemen
Das Zentrum Innere Führung in Koblenz hat zu diesem Thema ein neues Arbeitspapier mit dem Titel „Auseinandersetzung mit Verwundung, Tod und Trauer im Einsatz“ veröffentlicht. Es soll den militärischen Führer darin unterstützen, mit seinen Soldaten darüber zu diskutieren und sich damit auseinanderzusetzen – und das möglichst vor dem Einsatz.
„Die Thematik ‚Verwundung, Tod und Trauer im Einsatz‘ muss künftig in allen Ausbildungseinrichtungen der Bundeswehr noch intensiver behandelt werden“, schreibt Brigadegeneral Alois Bach, Kommandeur des Koblenzer Zentrums im Vorwort des Dokuments. “„Denn Innere Führung bedeutet auch, über Tabu-Themen zu sprechen“.”
Die „gute“ Seite der Angst
Das Arbeitspapier soll eine Anregung sein und den militärischen Führeren als Hintergrundinformation sowie zur Unterrichtsvorbereitung dienen. Es kann im „wesentlichen nur Impulse vermitteln“, steht in der Einleitung. Eines kann und will es nicht sein: eine Musterlösung.
In erster Linie dient es der Begriffserklärung. Was ist Tod? Was ist Verwundung? Was sind die Auswirkungen von extremen Belastungen auf den Menschen? Mögliche Krankheitsbilder, die dadurch entstehen können, und deren Symptome werden kurz erläutert. Ein weiteres Thema: Angst. Jeder Soldat und zivile Mitarbeiter der in den Einsatz geht, wird sich unwillkürlich damit auseinandersetzen. Dabei fällt es Soldaten oft schwer, sich Ängste einzugestehen.
Warum sie aber lebennotwendig sind und nicht verdrängt werden sollten, auch das beschreibt das Arbeitspapie. „Angst warnt vor Bedrohungen und aktiviert gleichzeitig Körper und Seele“, steht darin geschrieben.
Leid, Schuld, Tod und ein schwerer Gang
Des Weiteren befasst sich das neue Arbeitspapier mit wichtigen Schlagworten wie Leid und Schuld. Denn auch militärische Vorgesetzte sind davor nicht gefeit. Oftmals müssen sie Entscheidungen über Leben und Tod verantworten. Und letztendlich sind sie es auch, die schreckliche Nachrichten über gefallene oder verwundete Kameraden überbringen müssen.
Auch zu dieser schwierigen Aufgaben versucht das Arbeitspapier Hilfestellung zu geben, wenngleich es auch hier nur als Anregung dienen kann. „Es ist nicht möglich, den militärischen Vorgesetzten ein Hilfsmittel in Form einer Handlungsanweisung an die Hand zu geben. Zu vielseitig sind die Gesichter von Tod und Leid und zu unterschiedlich die Reaktionen aufgrund von tiefer Betroffenheit“, heißt es in dem Dokument.
Trauer ist immer individuell
Auch die Trauer ist bei jedem Menschen individuell. Hier bietet das Arbeitspapier aber einen guten Überblick über die Theorie der Trauer. Zum Beispiel, warum sie wichtig ist, welche Symptome und Phasen der Trauer es gibt. „Trauer ist der Schmerz der Zurückbleibenden“, steht in dem Papier. Und sie endet auch nicht nach der Trauerfeier. Diese aber ist ein wichtiges Ritual, um einen Verlust zu bewältigen.
Mit der Realität befassen
Das Arbeitspapier „Auseinandersetzung mit Verwundung, Tod uns Trauer im Einsatz“ ist ein weiterer Schritt in die Richtung, sich mit der Einsatzrealität auseinanderzusetzen und den Soldaten der Bundeswehr Hilfestellung in deren Bewältigung zu geben.
Wahrscheinlich setzt sich niemand gern mit solchen Themen auseinander – dennoch ist es notwendig. Und das Schlusswort des Arbeitspapiers könnte es nicht treffender formulieren: „Den Soldaten dürfen die Gefahren des Einsatzes nicht vorenthalten oder verharmlost werden. Sie müssen sich mit der Realität befassen.“
Angehörigen der Bundeswehr steht das Dokument ab Mitte August im Intranet zur Verfügung.
Tagebuchserie einer Soldatenangehörigen
25.07.2010 von Simone Uetz
Die Tagebuchserie einer Soldatenangehörigen wird seit kurzem exklusiv im Afghanistan-Blog von Boris Barschow veröffentlicht.
Leaf, so der geänderte Name der Frau, die von der Zeit vor und während des Einsatzes ihres Mannes schreibt und hier veröffentlicht wie sie diese erlebt und empfindet. Hautnah und sehr persönlich berühren die Worte, wie sie wohl vielen Frauen und Männern bekannt vorkommen müssen, die ihre Liebsten in den Auslandseinsatz verabschieden und darauf hoffen, dass sie gesund an Leib und Seele wieder nach Hause kommen:
Ich, Frau eines Soldaten der deutschen Bundeswehr mache mir mehr und mehr Gedanken. Der Einsatz am Hindukusch belastet immer mehr und auch wir stehen kurz vor dem In-Termin. Ich suche schon seit drei ein halb Jahren nach einer Möglichkeit Außenstehenden zu vermitteln, wie wichtig es ist unseren Soldaten Rückhalt zu geben. Drei ein halb Jahre Kopfzerbrechen. Als die Fußball EM kurz vor den Türen stand und Deutschland zu ihrem Land stand, ihrer Mannschaft den Rücken stärkte wurde ich nachdenklich.
Wie viele Männer und Frauen, Familienväter und Mütter, Töchter und Söhne, Brüder und Schwestern, Schwager und Schwägerinnen, Freunde und Freundinnen, Enkel, Lebensgefährten, aber letztendlich doch alles Menschen mit deutscher Staatsbürgerschaft riskieren Tag täglich ihr Leben um anderen Menschen wieder Sicherheit und vor allem aber Frieden zu bringen. Die Tyrannei und das Machtgehabe müssen endlich aufhören und dies geht nur durch die Truppen der verschiedenen Länder!
Die Männer und Frauen, welche letztendlich für weltweite Sicherheit sorgen, haben nichts mehr verdient, als Rückhalt von ihren „Landsmännern“ zu erhalten. Wieso ist es möglich einer Sportart so entgegen zu fiebern, ihre Siege mit Jubel zu feiern und die Nationalität mit Flaggen anzuzeigen aber nicht auch nur ein gutes Wort für Familien deutscher Soldaten zu finden? Wieso müssen Familienangehörige sich ständig wieder selbe Worte anhören, wenn in Erfahrung gebracht wird das Jemand in den Einsatz geht?
Weiterlesen auf Afghanistanblog…
Teil 2:
Jetzt sitze ich hier vor diesem imaginären Blatt Papier und weiß überhaupt nicht was ich schreiben soll, oder ob ich überhaupt irgendwas scheiben soll. Stunde um Stunde rückt Tag X näher, je näher er kommt desto weiter weg möchte ich ihn schieben. So langsam wird mir bewusst was da auf uns „zu rollt“ . Ein riesiger Haufen von Gedanken, Ängsten, Wünschen, Hoffnungen und nichts davon kann ich greifen. Ich stecke einfach mitten darin.
Teil 3:
Heftige Gewitter über Deutschland, selbiges Gefühl macht sich in meiner Magengegend bemerkbar wenn ich daran denke das uns nur noch wenige Tage bleiben… Was man plötzlich alles noch zu erledigen hat, was alles noch fehlt. Ein Fass ohne Boden, zumindest fühlt es sich so an. Mir wird ganz schlecht wenn ich daran denke das ich nicht mal mehr an den Wochenenden für die nächsten paar Monate auf Hilfe warten brauche und das jetzt wo unser Ökosystem Aquarium ständig irgendwelche neuen Probleme hat. Planarien, welcher Mensch denkt daran das es solch widerlichen Tierchen gibt? Ich hatte mir noch nie Gedanken über Würmer im Aquarium gemacht welche Garnelen und Fischbabies angreifen und auffressen. Mir wird schon wieder schlecht…Diese Viecher kriechen durch unser wunderschönes Biotop, welches wir mit so viel Liebe und Pflege errichtet haben. Ein Ruhepol an stressreichen Tagen, einfach nur wunderschön es zu betrachten.
Teil 4:
Wir sitzen bei den Schwiegereltern in Spe auf der Terrasse, es war ein schöner Tag bis eben. Ich hatte sechs Wochen lang dicht gehalten, was schon sehr schwer für mich war. Habe so vielen Freunden und Familienmitgliedern Bescheid gegeben, alles bis ins kleinste Detail geplant und jetzt ist es vorbei. Die Überraschung geplatzt!
Teil 5:
Abends klingelte das Handy um 0530 wollten sie hier sein. Irgendwie hing schon die ganze Zeit ein komisches Gefühl in der Luft…Wir lagen noch auf der Couch und schauten meinen Lieblingsfilm „Findet Nemo“.
Bundeswehr animiert Angehörige Ihre Erfahrungen mit dem Auslandseinsatz zu formulieren
21.07.2010 von Simone Uetz
Soldatenfamilien werden gehört: Partner im Einsatz - Ernstfall für die Familie
Nach einem berührenden Artikel in der Wochenzeitung "Die Zeit", in der die Familie eines Soldaten im Afghanistan-Einsatz portraitiert wurde, öffnet die Bundeswehr ihre Webseite für die Veröffentlichung von Erfahrungsberichten von Angehörigen ihrer Soldaten. Eine schöne Entwicklung wie ich finde und vielleicht hilft es auch dabei, das Verständnis in der Bevölkerung für die Belange der Soldatenfamilien zu sensibilisieren.
Aufruf auf der Bundeswehrseite:
"Ihr Partner oder Ihre Partnerin, der Vater oder die Mutter, der Freund oder die Freundin ist im Einsatz? Wie erleben Sie diese Zeit? Was hilft Ihnen? Was ärgert Sie? Schicken Sie uns bitte Ihre Erfahrungen. Anonymisiert möchten wir eine Auswahl Ihrer Beiträge hier veröffentlichen."
Aufgefunden über Boris Barschows Afghanistanblog - Danke Boris…
Weiterführende Links:
und hier die Leserreaktionen…
Interviewpartner für Theaterrecherche gesucht
10.07.2010 von Simone Uetz
Ein Stück zu dem Thema Belastungen des Auslandseinsatzes für Angehörige
Die Schauspieldramaturgin Annika Hartmann entwickelt für das Theater
Kiel ein Theaterstück, das sich mit der Situation von
Familienangehörigen von Soldaten und Soldatinnen im Auslandseinsatz
beschäftigt. Dazu sucht sie Angehörige von Soldaten als
Interviewpartner, um der Frage nachzugehen, wie man als Partner, Eltern
und Freunde mit der Belastung umgeht, die durch einen Auslandseinsatz
entstehen kann und welche Herausforderungen zu bewältigen sind:
"…
Unsere Beobachtung nach ersten Gesprächen mit dem
Familienbetreuungszentrum Kiel, Mitarbeitern des
Bundeswehrsozialdienstes und der Evangelischen Militärseelsorge ist es,
dass dieses Thema in unserer Gesellschaft immer noch tabuisiert
ist und es wenig Verständnis in der Öffentlichkeit für die Problematik
gibt.
In diesem Zusammenhang suchen wir nach Personen, die
aus ihren Erfahrungen erzählen können und möchten. Also sowohl
Angehörige selbst als auch Betreuer und Berater.
Ich
würde mich freuen, wenn Sie unser Anliegen weiterleiten könnten und
unsere Suche nach Gesprächspartner unterstützen würden.
Wir sind per mail unter tobias.graf@theater-kiel.de oder
info@lunatiks.de zu erreichen.
Mit freundlichen Grüßen
Annika
Hartmann
Schauspieldramaturgin
Theater Kiel
Knooper
Weg 182, 24105 Kiel
0431-901-3901 (AB)
Internet:
http://www.theater-kiel.de
Die Premiere des Stücks wird am 03. Oktober 2010 in Kiel sein.
Zum Stück:
Der Krieg ist vorbei. Die Schlacht ist geschlagen, die Mission
erfüllt, der Sold ausgezahlt. Die Kämpfer sammeln sich am Hafen, sie
besteigen die ankernden Schiffe. Sie kehren in die Heimat zurück, zu
Frau und Kindern. Doch in den Köpfen der Soldaten und in ihren Familien
ist der Krieg noch lange nicht beendet.
In seinem Stück Die
Troerinnen stellt Euripides (415 v. Chr.) die Frage, welche Auswirkungen
die Erfahrung des Krieges auf die Beteiligten haben. Er richtet nicht
den Blick auf die Helden, auf Achill und Odysseus, sondern schildert,
wie die Frauen und Angehörigen versuchen, mit dem Krieg fertig zu
werden.
Spätestens seit dem Selbstmordanschlag auf einen Bus mit deutschen
Soldaten in Afghanistan 2003 müssen auch Familien deutscher Soldaten
wieder mit der Angst leben, dass ihre Angehörigen traumatisiert oder im
Zinksarg zurückkehren. Nach der Rückkehr ist vieles nicht mehr wie
zuvor. Der Krieg ist in den Familien angekommen, unsichtbar hinter
Reihenhausfassaden und gepflegten Vorgärten. Ein ferner Krieg, der doch
so nahe rückt.
Ausgehend vom antiken Theaterstück Die Troerinnen
recherchiert das Projekt, welche Veränderungen und Verletzungen die
Erfahrungen des Krieges bei deutschen Soldaten und ihren Angehörigen
hinterlassen.
Quelle: lunatiks produktion
Warum Soldaten? - Ausstellung zur Diskursanimierung über die Bundeswehr
07.07.2010 von Simone Uetz
Mit Soldarten-Portraits und Bürgerreaktionen
Hamburg, 05.07.2010.
Für die Ausstellung „Warum Soldaten“ befragten Studenten der Helmut-Schmidt-Universität 1500 Passanten und Vertreter des öffentlichen Lebens über die Rolle der Bundeswehr. Den erhaltenen 500 Antworten stellten sie 500 Soldaten-Portraits gegenüber. Nun wurde die Ausstellung unter der Schirmherrschaft von Reinhold Robbe am 5. Juli vom Bundesminister der Verteidigung, Karl-Theodor zu Guttenberg, im Bundespresseamt in Berlin eröffnet.
Robbe hofft, dass mit „Warum Soldaten“ die Bevölkerung ein Stück weiter sensibilisiert und zum Nachdenken und Mitdenken animiert: „Gerade bei uns in Deutschland gibt es leider keine breite gesellschaftliche Debatte über die Frage, wofür unsere Soldatinnen und Soldaten ihre Gesundheit und ihr Leben einsetzen“, bedauert er. Dabei sind sie es, die im Auftrag des Parlaments in Krisengebieten ihr Leben riskieren.
Ein Schritt gegen das freundliche Desinteresse!
Die zehn Offiziere und Offizieranwärter der HSU baten Personen aus Wirtschaft, Parteien, Verbänden, Kirchen und Öffentlichem Leben sowie Passanten in der Hamburger Innenstadt um ein Statement zu der Frage „Warum Soldaten“. Überrascht von der Frage waren vielleicht viele, denn „Die meisten mussten einige Zeit nachdenken, bevor sie antworten konnten“, erinnert sich Leutnant Tobias Piekatz (24). Das Konzept ging auf - Egal ob die Antworten kritisch oder beführwortend ausfielen, es ging den Studenten darum, ein Zeichen gegen das weit verbreitete freundliche Desinteresse gegenüber der Bundeswehr zu setzen, das besonders für die Kameradinnen und Kameraden im Afghanistaneinsatz unerträglich sei.
Die 500 Bildern, Statements oder Videobotschaften zeigen dieses breit gefächertes Reaktionsband auf 20 Meter langen Stellwänden und wurden 500 Soldaten-Portraits gegenüber gestellt, als Symbol dass sich die jungen Frauen und Männern den auch kritischen Aussagen aus der Bevölkerungen stellen. „Wir wissen, was wir von uns halten. Aber was denkt die Bevölkerung über uns? Das wollten wir herausfinden“, so Martin Albrecht.
Die Ausstellung ist noch bis zum 16. Juli 2010 im Bundespresseamt, Dorotheenstraße 84 in 10117 Berlin zu sehen. Anschließend soll sie in vielen weiteren Städten gezeigt werden. Interessierte Aussteller können sich unter der Email-Adresse warum-soldaten@hsu-hh.de melden.
Bild:
Universitätspräsident Zeidler und Brigadegeneral Schmidt.
(Quelle:
www.streitkraeftebasis.de, Bild: Uni
Bw/ Scheiblich)
Nachtrag:
Auf
der Seite der Bundeswehr gibt es jetzt auch ein Video zu der
Ausstellung "Warum Soldaten?"
zu sehen unter diesem Link…
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